Zwei

Zwei


Die zweite Dimension…

 

Zwei_01kl.jpg 2.1

Geometrische Entsprechung: Die Strecke

Die Strecke ist Teil der Raumstruktur d.

 

Die Zwei ist in sich geschlossen und doch ist sie kondensierte Trennung.

In sich geschlossen ist die trennende Kraft, die ihr innewohnt, die sie verkörpert.

Eine innere trennende Kraft nennen wir Abstoßung. Wir erleben sie zum Beispiel im Magnetismus, wenn zwei Körper gleicher Ladung sich abstoßen. Die Zwei verkörpert aber etwas anderes, denn sie ist die Kraft, die Unterscheidung erst möglich macht. Sie muss die Kraft sein, die Körper ungleicher Ladung überhaupt erst auseinander getrieben hat. Also Körper, die sich durch ihre Gegensätzlichkeit anziehen, die immerfort wieder verschmelzen wollen.

 

Materie und Antimaterie

hell und dunkel

gut und böse

groß und klein

hässlich und schön

männlich und weiblich

 

Zwei stehen sich gegenüber. Zwei Vereinzelungen oder zwei Einheiten?

 

Dass wir die Eins nur mit dieser anachronistischen Eigenschaft (Ureinheit oder Vereinzelung) wahrnehmen können, liegt eben gerade daran, dass wir als Wesen der Vielheit der Polarität unterworfen sind und die Welt dadurch wie durch einen Filter sehen.

 

Schwarz und weiß.

Gegensätze ziehen sich an, aber können doch nie vollkommen und überall verschmelzen.

Sie umkreisen sich wie zwei hungrige Wölfe, unversöhnlich.

Dieser Eigenschaft der Zwei wurde im asiatischen Kulturraum ein sehr sensibel und intelligent erdachtes Symbol zugeordnet; das sogenannte Yin und Yang.

Wir stellen uns zwei Kugeln mit polaren Ladungen vor, diese färben wir schwarz und weiß ein, um ihrer entgegengesetzten Ladung Ausdruck zu verleihen. Wir stellen uns weiter vor, dass sie sich berühren und einander umkreisen. Wenn wir sie dann, während sie sich umkreisen, mit einer langen Belichtungszeit fotografieren würden, dann entstünde das Yin und Yang Symbol in seiner Grundform.

Yin_und_Yang_01_60_hell_72.jpg 2.1.a

 

Dass nun eine Prise des anderen in den Gegenspieler eingestreut wird, liegt daran, dass man erkannt hatte, dass die Polaritäten in absoluter, reiner Form nicht existieren.

Am leichtesten lässt sich dieses am Beispiel der „Farbe“ Schwarz deutlich machen.

Denn etwas erscheint nur dann als schwarz, wenn das einfallende Licht vollkommen absorbiert wird. Das Licht wird aufgenommen, eben nicht reflektiert. Im übertragenen Sinne könnte man also sagen, dass der Kern des Schwarz Licht sei.

Genauso erscheint nur dann etwas als weiß, wenn es das einfallende weiße Licht vollständig reflektiert. Im übertragenen Sinne könnte man also sagen, dass der Kern des Weiß immer schwarz bleibt. In China wurde dem Schwarzem das weibliche Prinzip und dem Weißem das männliche Prinzip (siehe unter dem Kapitel: Geschlechter) zugeordnet.

Yin_und_Yang_02_60_hell_72.jpg 2.1.b

 

In  genaueren Darstellungen werden die kleinen Kreise jeweils wieder in schwarz und weiß, Yin und Yang aufgeteilt und deren kleine Kreise ebenfalls wieder, so dass eine unendliche Verzahnung der polaren Wechselkräfte entsteht.

Yin_und_Yang_03_60_hell_72.jpg 2.1.c

 

Einen anderen Aspekt der Zwei beleuchtet folgendes Zitat:

»Ein besonders schönes Symbol für diese geschöpfliche Zweiung bringt der persische mystische Dichter Dschelaluddin Rumi, der Gottes schöpferisches Wort, kun, „Sei!“ (kn) mit einer Schnur aus zwei Fäden (also im wahrsten Sinne einem „Zwirn“) vergleicht, die in allen Erscheinungen sich zeigt, aber dem Wissenden den Weg zu der hinter der Welt der Gegensätze verborgenen einen Wahrheit weist.«3

 

Unter bildnerischen Gesichtspunkten steht die Zwei für das konkave Prinzip (Konvex siehe unter Abbildung 3.2), ohne dieses keine differenzierte Form in der Welt möglich wäre. Die Zwei ist der Grundimpuls, der den Formen, wie wir sie kennen, voraus geht - ohne den sich unsere Welt nie aus der Singularität heraus entwickelt hätte - sie wäre gleichsam im einheitlichen „Brei“ stecken geblieben.

Die Polarität ist in ihrer Zwiespältigkeit formende Urkraft.

 

In einem Baum ist diese Grundgeste exemplarisch für alle Pflanzen gut abzulesen.

Der Kern, eine konvexe Form, tendenziell kugelförmig, spaltet sich in zwei Teile, und ein Gewebe von Wurzeln verankert und verbindet ihn mit der Erde und dem Wasser. Die Nahrung, Energie hierfür muss die junge Pflanze zunächst aus dem Kern - aus der Einheit, aus der sie hervorbricht - ziehen. Dann erst treibt der Kern den Keimling nach oben. Dieser ist in der ersten Wachstumsphase nichts anderes, als eine langgestreckte Kugel. Es ist nun ein trennender Impuls notwendig, ohne den sich keine zwei Keimblätter bilden würden. Die Pflanze wächst weiter und bei jedem neuen Blättchen und vor jeder Astgabelung wirkt die Zwei, gleich einem schneidendem Schwert auf die Pflanze ein und der konvexe Grundimpuls schließt die beiden Teile sofort wieder zu einem Zylinder zusammen. Die konkave Qualität dieses Prozesses ist an der Astgabel zunächst nur in der Seitenansicht wahrzunehmen. In der Konsequenz, in der Summe der Teilungen wird allerdings deutlich, wie die Form sich auflöst, wie der Baum bis ins Blattwerk immer zarter und durchscheinender wird. So wie die konkave Form eine Negativform ist, so löst sich ein konvexer Ur-Körper unter ihrem Einfluss, gleichsam formbildend, auf.

(Die Zwei ist allerdings nicht Materie bildend, gleichwohl sie der grundlegende Impuls für die Verwandlung der Materie ist.)

Dieser Vorgang gilt selbstverständlich für das Wurzelwerk auch. Der Anschaulichkeit halber wurde er erst am überirdischen Teil der Pflanze beschrieben.

Unser Baum löst sich also sowohl unter der Erdoberfläche, als auch über der Erdoberfläche auf. Die kompakte Form des zylindrischen Stammes fächert sich nach unten und oben so intensiv auf, dass eine Aufnahme, ein sich Verbinden mit der Welt, auf Molekularebene möglich wird. Dieses nennen wir Stoffwechsel.

Die Pflanze verbindet mit ihrem Stängel, Stamm und ihrem Stoffwechsel das Mineralische (gebundene Energie) mit der Sonne (fließende Energie).

Gleichzeitig verbindet sie mit ihrem Stängel, Stamm und ihrem Stoffwechsel das Wässrige mit dem Luftigen. So bildet sich an ihr also nicht nur die Wandelkraft der Zwei ab, sondern sie wird mit ihrem Stoffwechsel selbst auf Molekularebene Stoff umwandelnd aktiv. * (Kohlenstoffkreislauf, Stickstoffkreislauf, Zucker als Energieträger, etc.)

Die Zwei ist also sowohl teilende, als auch formende Urkraft. Zunächst teilt sie die Einheit, aber doch nur, um sie auf einer anderen Ebene durch das Lebendige wieder zu vereinen. Die Pflanze spiegelt sich in der Lunge und im Blutkreislauf des Menschen.

 

* Goethe sah die Urpflanze (den Typus) in jedem einzelnen Blatt verwirklicht.

Man könnte die Pflanze auch als Spannungsausgleich zwischen zwei Polen bezeichnen (Licht und Materie). Der Typus (nach Goethe und Steiner) für alle Pflanzen ist dann die Zwei in ihrer Wirkung auf die Welt.

 

 


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